Mit der fortschreitenden Digitalisierung und der Vernetzung des Gesundheits­wesens erhalten Krankenkassen noch umfangreichere Daten zum Leistungs­geschehen und zur Versorgung der Versicherten. Es entsteht ein stetig
wachsender Datenpool, der durch Data-Science-Anwendungen und Künstliche Intelligenz (KI) für viele Fragestellungen genutzt werden könnte. Oder anders formuliert: Die Zukunft wird auch in der GKV von datengetriebenen Vorgängen und Prozessen geprägt sein. Durch die Digitalisierung verschiedenster Prozesse ergeben sich für die gesetzlichen Krankenkassen neue Handlungsspielräume. Vor diesem Hintergrund haben wir kürzlich das BITMARCK-Positionspapier zum Thema Data Science veröffentlicht. Das Papier spielt neben unserer Veranstaltungsreihe Data.Science.Dialog eine zentrale Rolle, um dem gesamten Komplex einen angemessenen strategischeren Rahmen zu geben.

Darauf aufbauend, beantwortet Factory Lead Peter Flemming im Interview mit der einsnull Kernfragen und Ziele zum Themenkomplex Data Science und BITMARCK. 

einsnull: Was versteht BITMARCK unter Data Science?

Peter Flemming: Data Science umfasst alle Vorgehensweisen und Methoden, die dem Zweck dienen, aus vorhandenen Daten Erkenntnisse zu gewinnen – diese fließen in Systeme und Anwendungen sowie an anderen
Stellen der Wertschöpfungskette ein, um einen Mehrwert für die verschiedenen Akteure zu generieren. Dabei kommen Methoden aus Statistik, Mathematik und Informatik sowie spezifisches Bereichswissen zusammen und bilden die Grundlage bei der Lösungsentwicklung. Um es mit einem Satz auf den Punkt zu bringen: Erst Data Science schafft aus einer größer werdenden Menge an Daten auch mehr Wissen.

einsnull: Warum sollten Krankenkassen sich gerade jetzt mit dem Thema beschäftigen?

Peter Flemming: Man könnte sagen, dass die Zeit für eine Data-Science-Strategie jetzt schlichtweg reif ist: Es gibt bereits große, durch die voranschreitende Digitalisierung stetig wachsende Datenmengen. Die Hardwareentwicklung der vergangenen Jahre sowie die inzwischen breit verfügbaren Softwaretools und Bibliotheken schaffen zahlreiche Möglichkeiten, diese Datenmengen effizient und effektiv auszuwerten. Teilt man die Auffassung, dass die Zukunft in daten­getriebenen Prozessen liegt, sollte man sich jetzt für diese Zukunft aufstellen: Erfahrungen in konkreten Projekten sammeln sowie Strukturen schaffen und etablieren, um damit Kompetenzen aufzubauen.

einsnull: Wie verbessert der Einsatz von Data Science die Versorgung der Versicherten und die Arbeit der Krankenkassen?

Peter Flemming: Eine gezielte Nutzung verfügbarer Daten ermöglicht zum Beispiel die systematische Generierung von Erkenntnissen über Bedürfnisse der Versicherten oder ideale Behandlungspfade. Bei entsprechender technischer Integration der Ergebnisse werden die Krankenkassen somit u. a. im Hinblick auf Versorgungsprozesse unterstützt. Auch der Versicherte selbst oder Leistungs­erbringer könnten von solchen Ergebnissen im Rahmen der Behandlung von Erkrankungen profitieren. Neben Versorgungsfragen gibt es mit Blick auf Abrechnungs- oder Genehmigungsprozesse natürlich auch zahlreiche Optionen, Verwaltungsprozesse der Krankenkassen mittels Data Science teilweise oder vollständig zu automatisieren.

einsnull: Wie ist der Gedanke hinter der Data.Science.Factory, und wie werden die Krankenkassen einbezogen?

Peter Flemming: Die spezifische Konzeption der Data.Science.Factory sowie unser Vorgehens­modell ermöglichen es uns, die strategischen Aspekte des Themas ganz praktisch orientiert an konkreten Themen zu entwickeln und zu verproben. Wir reden also nicht nur über Data Science, wir setzen das Thema auch um. Die enge Einbindung der Kunden ist dabei der zentrale Erfolgsfaktor für unsere Projekte. Wir sind überzeugt, dass auch unsere Kunden durch die enge Zusammenarbeit Vorteile haben, weil es in den Projekten zu einem gewinnbringenden und kassenübergreifenden fachlichen Austausch kommt, von dem alle Beteiligten profitieren. Auch das praktische Verständnis für die Möglichkeiten von Data Science oder agile Arbeitsweisen entstehen so nahezu beiläufig.

Möchten Sie mehr erfahren? Das Interview mit Peter Flemming wurde auf Video aufgezeichnet
und enthält zahlreiche weitere Informationen und Fragestellungen rund um das Thema Data Science – Sie können sich das Video ganz einfach ansehen, wenn Sie diese Seite mittels unserer einsnull-App scannen.  

Ziele des Data-Science-Positionspapiers

  • Für BITMARCK und Kunden ein gemeinsames Verständnis von Data Science schaffen,
  • die konkreten Themenfelder in der GKV beschreiben,
  • die Rolle der Krankenkassen im Innovationszyklus aufzeigen,
  • das Vorgehensmodell für Data-Science-Anwendungen der BITMARCK vermitteln,
  • dabei die Rahmenbedingungen einer sicheren, verantwortungsvollen und rechtskonformen Datennutzung beachten und
  • eine strategische Einordnung des Themas vornehmen.

In unserem Kundenportal gibt es eine ausführliche Version des Positionspapiers, auf unserer Webseite bitmarck.de haben wir eine Kurzversion veröffentlicht.