Die elektronische Patientenakte (ePA) steht vor der Tür: In etwas mehr als zwei Monaten – am 01. Januar 2021 – werden Versicherte erstmals die Möglichkeit haben, ihre Gesundheitsdaten in einer vom Gesetzgeber vorgeschriebenen App abzulegen. Ihr volles Potenzial entfaltet die ePA allerdings noch nicht zum Beginn, sondern erst mit den weiteren Ausbaustufen. Stichworte an dieser Stelle: zusätzliche Funktionen wie die Umsetzung des Impf- oder Mutterpasses sowie die Implementierung des feingranularen Rechtesystems. Im Zuge der Ausschöpfung dieses Potenzials wird sich die ePA zu einem Eckpfeiler der Digitalisierung in unserer Branche entwickeln. Grund genug, der ePA kurz vor dem Start auch die Titelgeschichte dieser einsnull zu widmen. 

Die wichtigste Nachricht gleich zu Beginn: Die gemeinsam von BITMARCK und RISE entwickelte ePA liegt nach wie vor voll im Plan – alle zentralen Meilensteine wurden erwartungsgemäß erreicht. Somit können wir unseren Kunden zum Stichtag 01. Januar ein fertiges, gematik-zugelassenes Produkt inklusive Betrieb zur Verfügung stellen. An dieser Stelle ist auch die sehr gute, vertrauensvolle und jederzeit konstruktive Zusammenarbeit mit unserem Partner RISE noch einmal zu betonen.

In diesem Artikel möchten wir uns primär den Themen widmen, die speziell für die Krankenkassen kurz vor dem Start eine hohe Relevanz haben – dazu zählt neben Informationen zu wichtigen Punkten wie der kontrollierten Inbetriebnahme natürlich unser Versichertenhelpdesk. Eine FAQ-Seite rundet das Thema ab. Schon jetzt der Hinweis: Haben Sie Fragen rund um die ePA? Dann zögern Sie nicht, unsere Experten unter epa-service@bitmarck.de zu kontaktieren.

Kontrollierte Inbetriebnahme im November

Im letzten Quartalsbericht haben wir über den Aufwand beim Feldtest und die damit verbundenen Risiken berichtet. Die gematik hat dazu einen Lösungsvorschlag erarbeitet, der den bisherigen Feldtest ablöst und durch eine kontrollierte Inbetriebnahme ersetzt. Diesem Vorschlag wurde auch in den entsprechenden Gremien zugestimmt.

Die Anbieter der ePA-Aktensysteme werden in der Produktivumgebung die kontrollierte Inbetriebnahme durchführen. Dabei sollen grundsätzlich die Funktionen von „Lesen aus der Akte“ und „Schreiben in die Akte“ über den Versicherten bzw. seine ePA-App und die Leistungserbringer sichergestellt werden. Hat der Anbieter einen schriftlichen Nachweis über eines der beiden Verfahren erbracht, kann das Aktensystem bundesweit angeboten werden. Derzeit gehen wir davon aus, dass der Nachweis 2020 ausschließlich für den Weg über den Versicherten und seine ePA-App erfolgen kann. Der Nachweis für den Weg über den Leistungserbringer muss mit eintretender Verfügbarkeit dann kurzfristig nachgeholt werden. Bis dahin wird es eine Anbieterzulassung mit Nebenbestimmungen geben.

Derzeit erarbeitet BITMARCK mit RISE ein Umsetzungskonzept für die Durchführung der kontrollierten Inbetriebnahme im November 2020. Dieses Konzept wird von der gematik als Einstieg in die kontrollierte Inbetriebnahme gefordert.

Wesentliche Schritte in Richtung Zulassung erfolgreich abgeschlossen

Die Zulassung für das Aktensystem sowie das Frontend des Versicherten (FdV) unter Android wurde Mitte Juli offiziell eingeleitet. Bisher läuft alles nach Plan: Am 21. August konnten die funktionalen Tests in Vorbereitung auf die eigentlichen Zulassungstests für das Android FdV erfolgreich durchlaufen werden. Damit ist ein wesentlicher Schritt in Richtung Zulassung erfolgreich abgeschlossen worden.

So läuft der Review-Prozess in den App Stores von Apple und Google 

Die Bereitstellung der ePA-App für die Ver­sicherten zum 01. Januar 2021 bringt mit sich, dass sich viele Krankenkassen erstmalig mit den Prozessen der App Stores von Apple und Google auseinandersetzen müssen. Neben den Herausforderungen bei der Einrichtung eines Accounts und der anschließenden Berechtigung von RISE für das Hochladen der App in die Stores gehört hierzu insbesondere auch das sogenannte Review-Verfahren. Im Rahmen des Reviews überprüfen die Store-­Anbieter die eingereichte App auf Verstöße gegen die eigenen Richtlinien. Dies betrifft unter anderem Designaspekte, finanzielle Aspekte (zum Beispiel In-App-Käufe) sowie Altersbeschränkungen. Mit der ePA wird erstmalig eine App mit Verbindung zur Telematikinfrastruktur (TI) angeboten. Da das Review allein in den Händen der Store-Anbieter liegt, besteht ein leider unvermeidbares Risiko, dass die ePA-App das Review nicht erfolgreich durchlaufen kann – an diesem Review sind schon weltweit bekannte Unternehmen wie Facebook gescheitert. 

Aus diesem Grund hat BITMARCK mit RISE ein mehrstufiges Review eingeplant. Im ersten Schritt wird RISE die ePA-App über den Store-­Account von RISE in das Review bringen. So kann frühzeitig sichergestellt werden, ob es grundsätzliche Anmerkungen gibt. Im zweiten Schritt wird die ePA-App für die jeweilige Krankenkasse gebrandet (Logos und Texte) und über den Account der Krankenkasse in das Review gebracht. So kann geprüft werden, ob es beim Branding Probleme gibt und ob das Review in der Breite funktioniert. Insgesamt sprechen wir hier über mehr als 80 Kranken­kassen mit der zugehörigen ePA-App. Die Erfahrung zeigt, dass das erste Review in der Regel länger braucht als nachfolgende Reviews. Anfang Dezember erfolgt dann die Bereitstellung der zugelassenen ePA-App inkl. des kassenindividuellen Brandings für das finale Review. Anschließend können die Krankenkassen ihren Versicherten die ePA-App planmäßig am 01. Januar 2021 anbieten.  

Sichere Ausgabe der elektronischen Gesundheitskarte (eGK)

Ein Zugriff auf medizinische Anwendungen der Telematikinfrastruktur (TI) darf nur erfolgen, wenn sichergestellt ist, dass die elektronische Gesundheitskarte und ein ggf. zur Anwendung kommendes alternatives Identifizierungsverfahren nur durch den berechtigten Versicherten verwendet werden. Dazu ist im PDSG im § 336 Abs. 5 festgelegt, dass zuvor die PIN oder die eGK sicher an den Versicherten zu­gestellt wurde oder eine nachträgliche sichere Identifikation einer bereits ausgegebenen eGK erfolgt ist.

Für die elektronische Patientenakte (ePA) hat jede Kasse sicherzustellen, dass alle Versicherten, die eine solche beantragen, vor der Aktivierung der ePA entweder die eGK oder – falls noch nicht versendet – den PIN-Brief sicher zugestellt bekommen, oder dass eine Nachbestätigung im Sinne § 336 Abs. 5 Satz 1 Nummer 3 erfolgt ist. Im Rahmen der Nachbestätigung muss auch der Besitz der bereits zugestellten eGK überprüft werden.

Die Deutsche Post AG hatte vor diesem Hinter­grund bereits angekündigt, rechtzeitig ein Verfahren anzubieten, das eine Identifikation bei Übergabe ermöglicht. Dieses Verfahren sollte dann entweder auf den PIN-Brief oder auf die eGK angewendet werden. Voraussichtlich wird das Produkt der Post zum 01. Januar 2021 allerdings noch nicht zur Verfügung stehen.

Vor diesem Hintergrund ist BITMARCK bestrebt, allen ePA-Kunden eine alternative Lösung zu ermöglichen, um zum Stichtag 01. Januar ein Identifizierungsverfahren bereitstellen zu können. Nicht nur aufgrund der aktuell stark steigenden Corona-Zahlen steht dabei die Abbildung eines digitalen Ident-Prozesses im Fokus, beispielsweise in Form von Video-Ident. Wir befinden uns bereits in Gesprächen bzgl. möglicher Lösungen und informieren natürlich umgehend über die bewährten Kanäle, sobald hier eine finale Entscheidung getroffen wurde. Ziel ist es, das Verfahren für alle ePA-Kunden der BITMARCK einfach zugänglich zu machen.  


ePA-Versichertenhelpdesk – Unsere Experten helfen Ihren Kunden

Als optionale Erweiterung und ideale Ergänzung für Krankenkassen hat BITMARCK den Service ePA-Versichertenhelpdesk entwickelt. 

Der ePA-Versichertenhelpdesk kann bei Bedarf von Krankenkassen anstatt eines kasseneigenen Versichertenhelpdesks zur ePA eingesetzt werden. Er bildet als Single Point of Contact (SPoC) die zentrale Schnittstelle zu den Versicherten einer beauftragenden Krankenkasse. 

Der Service von BITMARCK umfasst dabei die folgenden Leistungen: 

  • Beantwortung von Fragen zur ePA und zum Frontend des Versicherten 
  • Anwenderunterstützung bei der Nutzung der ePA-App
  • Störungsannahme bei Service­einschränkungen der ePA und Schnittstelle zum ePA Support

Der ePA-Versichertenhelpdesk steht den Versicherten rund um die Uhr zur Verfügung – an sieben Tagen die Woche

Als Single Point of Contact ist der ePA-­Versichertenhelpdesk für den Versicherten über eine innovative Chatbot-Funktion rund um die Uhr erreichbar. Damit wird eine hohe Rate an Sofortlösungen bei Anwenderanfragen sichergestellt. Ebenso ist über den Chatbot rund um die Uhr eine Störungsannahme möglich und es werden Information zu bekannten Störungen bereitgestellt. Während definierter Servicezeiten unterstützen zudem die Mitarbeiter des ePA-Versichertenhelpdesk die Versicherten per Livechat oder per Telefon.

Damit die Versicherten auch jeweils die aktuellsten Informationen zur ePA erhalten, sorgen wir dafür, dass unser Helpdeskteam durch kontinuierliche Weiterbildung zu allen Funktionen und Fragen rund um die ePA immer auf dem aktuellen Stand ist. Die enge Verzahnung aller ePA-Beteiligten bringt darüber hinaus einen Wissensvorsprung zugunsten der Versicherten. 

Haben Sie Interesse an unserem ePA-­Versichertenhelpdesk? Dann beraten wir Sie gerne und freuen uns über Ihre Kontaktaufnahme.  


ePA: Aktuelle Informationen kurz vor dem Start

Umsetzung PDSG vs. Äußerungen des BfDI: Wie ist eigentlich der aktuelle Stand?

Für das konkrete weitere Vorgehen seitens BITMARCK gilt nach wie vor: 

  • Die Krankenkassen sind bekanntlich auf Basis des Terminservice- und Versorgungsgesetzes (TSVG) gesetzlich verpflichtet, zum 01. Januar 2021 eine elektronische Patientenakte (ePA) anzu­bieten. Das Patientendaten-­Schutz-Gesetz (PDSG) konkretisiert eine Vielzahl von Aspekten und gestaltet sie aus. 
  • Das PDSG wurde wie geplant am 18. September 2020 final verabschiedet, der Vermittlungs­ausschuss wurde nicht angerufen.
  • Als BITMARCK entwickeln wir – gemeinsam mit unserem Partner RISE – die ePA selbst­verständlich weiterhin auf Grundlage der aktuellen gesetzlichen Vorgaben und der Spezifikationen der gematik.
  • Sowohl wir als auch zahlreiche weitere Akteure aus der GKV haben bei verschiedenen Anlässen an die Verantwortlichen im BMG appelliert, schnellstmöglich Klarheit und Planungssicherheit zu schaffen, damit das aktuelle Dilemma, in dem sich die Krankenkassen befinden, aufgelöst wird (Umsetzung PDSG vs. Äußerungen des BfDI). Wir beobachten die weitere Entwicklung dieses Themas natürlich intensiv. Sollten sich die Spezifikationen für die ePA ändern, reagieren wir umgehend und informieren Sie schnellstmöglich.

BITMARCK ist im regelmäßigen Austausch mit BMG und gematik – um Stolperfallen zu vermeiden

Kurz vor dem Start der ePA gibt es naturgemäß immer noch einige Punkte, die womöglich auf den letzten Metern noch einmal angepasst werden müssen. Um hier schnell zu Ergebnissen zu kommen, befinden sich die BITMARCK-Geschäftsführung und das Präsidium des Aufsichtsrates in einem stetigen, engen Dialog mit den Vertretern von gematik und BMG – um potenzielle Stolperfallen frühzeitig zu identifizieren und beseitigen zu können.

Gibt es eine übergreifende Kommunikation zum Start der ePA? Wer steuert diese?

Unter Federführung der gematik wurde Ende 2019 die AG Kommunikation ins Leben gerufen. Die Arbeitsgruppe wurde implementiert, um die zahlreichen Themen zur Kommunikation rund um die Einführung der ePA zu koordinieren, die Krankenkassen bei den zu erwartenden Herausforderungen zu unterstützen und gleichzeitig für eine möglichst einheit­liche und übergreifende Kommunikationsstrategie zu sorgen. BITMARCK ist ebenso in dieser Runde mit dabei wie Ver­treter aus der Welt der Ersatzkassen, IKKen und BKKen. Über die zentralen Ergebnisse berichten wir unter anderem im Rahmen der „Informationen aus Aufsichtsrat und Geschäftsführung“, die über Andreas Strausfeld regelmäßig an die Vorstände der Kassen des BITMARCK-Konsortiums verteilt werden.

Kommunikation ist natürlich nicht nur ein Thema rund um die ePA – für alle „eThemen“ in der GKV muss es aus Sicht von BITMARCK eine zentrale und übergreifend gesteuerte Kommunikation seitens des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) sowie der gematik geben. Dieser Forderung wurde bereits nachgekommen; unseres Wissens zufolge hat sich eine entsprechend besetzte Arbeitsgruppe im BMG gegründet, die sich genau diesen Themen widmet.

Wird es weitere ePA-Filme geben?

Unser Film „Die elektronische Patientenakte (ePA) – einfach erklärt!“ hat bei unseren Kunden nicht nur reißenden Absatz gefunden, sondern wir haben auch viel positives Feedback dazu erhalten. Auch wurden wir gefragt, ob nicht einige Themen noch einmal intensiver aufgearbeitet werden könnten. Die Rückmeldungen haben uns darin bestärkt, im nächsten Schritt zwei weitere Filme zu produzieren: „ePA – was passiert mit meinen Daten?“ mit Fokus auf das Thema Sicherheit. Außerdem klären wir die Frage „Wie komme ich eigentlich an die ePA?“. Die Filme werden wieder erklärenden Charakter haben und sind ebenso einfach und schnell zu verstehen wie der erste Film. Sobald die Filme finalisiert sind, werden wir diese auf den bekannten Kanälen zur Verfügung stellen.