Rund 19,5 Millionen Patienten werden in Deutschland jährlich im Krankenhaus behandelt. Fast jeder fünfte Patient hat nach der Entlassung weiterhin einen komplexen Versorgungsbedarf, der im Idealfall mit allen beteiligten Akteuren (Ärzten, Reha-Einrichtungen und Krankenkassen) koordiniert und abgestimmt sein sollte. Häufig ist der Patient nach der Entlassung jedoch auf sich allein gestellt und muss sich eigenständig im Versorgungssystem orientieren. Das Projekt USER – die Umsetzung eines strukturierten Entlassmanagements mit Routinedaten – soll hier Abhilfe schaffen. Gefördert wird das Innovationsprojekt mit Mitteln des beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) angesiedelten Innovationsfonds.

Das Ziel des Projekts USER ist die Vermeidung von Versorgungslücken nach der Entlassung aus der stationären Versorgung durch eine frühzeitige und korrekte Identifizierung von Versorgungsbedarfen unter Einbindung der
Patienten. Dies geschieht im Sinne der Vermeidung von Komplikationen und einer stationären Wiederaufnahme. Durch die Verbesserung der Qualität und Verfügbarkeit relevanter Informationen wird dabei die Effizienz und Transparenz der Versorgung gesteigert. Durch den Einbezug der unterschiedlichen Leistungserbringer verkürzen sich Genehmigungsprozesse, wodurch die schnelle Weiterbehandlung nach dem Krankenhausaufenthalt gewährleistet wird.

Projekt- und Kooperationspartner kommen unter anderem aus dem BKK-Umfeld

Die Projektleitung liegt beim aQua-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen. Weitere Konsortialpartner sind neben BITMARCK das Deutsche Krankenhausinstitut e.V., die Deutsche Renten­versicherung Knappschaft-Bahn-See, die Knappschafts-Kliniken, das Universitätsklinikum Heidelberg sowie der BKK Dachverband. Die BAHN-BKK, die Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK), die Novitas BKK, die pronova BKK und der Deutsche Pflegerat e.V. sind Kooperations­partner. BITMARCK verantwortet im Projekt die Ermittlung und Bereitstellung der Patienten­historie sowie der pseudonymisierten Evaluations­daten aus GKV-Routinedaten. 

Klassifizierung des Versorgungsbedarfs anhand von Score-Werten

Während des Anamnesegespräches im Krankenhaus kann der behandelnde Arzt nach Zustimmung des Versicherten bei dessen Krankenkasse Informationen über frühere Erkrankungen und deren Behandlung online abrufen. Zur Klassifizierung des Versorgungsbedarfs des Patienten werden mehrere Score-Werte berechnet und zusammen mit der Patientenhistorie nahezu in Echtzeit übermittelt. Hierzu zählen Informationen aus den Bereichen Notfallwiederaufnahme, Mortalität, ambulanter Notfall, Hilfsmittelbedarf, medizinische Reha/AHB, Pflegestufen-/Pflege­graderhöhung sowie die erstmalige oder neu aufgetretene Inanspruchnahme einer stationären Pflegeleistung. Während des Projekts sollen Patientenbefragungen durchgeführt werden, in deren Rahmen BITMARCK bei der Stichproben­ermittlung unterstützt. 

Das Bestandssystem der teilnehmenden Kranken­kassen wurde für das USER-­Projekt funktional erweitert

BITMARCK hat das Bestandssystem der teil­nehmenden Krankenkassen für das USER-­Projekt funktional erweitert. So wurde im Bereich „Leistungen“ ein neuer Anwendungsfall „Entlassmanagement“ mit eigenem Menüpunkt eingefügt. Der Anwendungsfall umfasst mehrere Dialogfunktionen. In einer neuen Erfassungsmaske für Teilnahmen und Einwilligungen finden sich ein Journal sowie die Register „Anfrage-­Einwilligungs-Nachrichten“, „Anforderung medizinische Daten“ und „Abschluss Entlassmanagement“. Bis zum Projektabschluss steht der neue Anwendungsfall ausschließlich den vier kooperierenden Krankenkassen zur Verfügung. 

Zur technischen und praktischen Umsetzung des USER-Projekts wird unter anderem die elektronische Behandlungsinformation (eBI) der KNAPPSCHAFT eingesetzt. Dafür war die Einrichtung entsprechender Kommunikationswege zwischen eBI und dem jeweiligen Bestandssystem der teilnehmenden Kranken­kassen erforderlich. Die Anbindung an die elektronische Behandlungsinformation der KNAPPSCHAFT über die Kopfstelle von BITMARCK erfolgt mittels einer WebService- Integrationsplattform (WSIP). Alle Datenschutz- und Datensicherheitsanforderungen finden dabei Berücksichtigung. 

Die durch BITMARCK umgesetzten synchronen Prozesse ermöglichen Antworten an das eBI-­System nahezu in Echtzeit, sodass die benötigten Routinedaten des Versicherten bereits während des Aufnahmegesprächs im Krankenhaus zur Verfügung stehen.

Interventionsphase bis 31. März 2021

Zum 01. September 2020 hat die Interventions­phase mit allen beteiligten Akteuren im Sinne eines Produktivbetriebs begonnen. Diese endet am 31. März 2021. Anschließend werden die gewonnenen Erkenntnisse evaluiert – seitens der einsnull begleiten wir diesen Prozess natürlich und berichten kontinuierlich in unseren Print- und Online-Ausgaben.