Durch das Pflegestärkungsgesetz II wurde zum 01. Januar 2017 unter anderem der Zugang zur Pflege durch die Überarbeitung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs vereinfacht. Neben der demografischen Entwicklung ist das ein Grund, warum die Zahl der Pflegebedürftigen in Deutschland nahezu exponentiell angestiegen ist. Dieser Entwicklung kann die Anzahl der Beschäftigten in den Pflegeberufen – trotz aller Bemühungen – nicht im selben Tempo standhalten. Die Folge ist eine wachsende Versorgungslücke, die immer häufiger die Angehörigen der zu Pflegenden füllen müssen.

Dabei sind die Angehörigen bereits jetzt der „größte Pflegedienst“ Deutschlands – vier von fünf Pflegebedürftigen werden zu Hause versorgt. Besonders in den niedrigen Pflegegraden, die die größten Fallzahlen aufweisen, findet häufig ausschließliche Angehörigenpflege statt (sprich: Bezug von Pflegegeld ohne ergänzende ambulante Pflege). Hierbei ist die Elternpflege besonders ausgeprägt, was darauf schließen lässt, dass der Zugang zu digitalen Medien bei einem Großteil der pflegenden Angehörigen vorausgesetzt
werden kann.

Auf Seiten der Leistungserbringer stehen im Rahmen der Digitalisierung immer mehr Angebote für die Pflegebedürftigen und Angehörigen zur Verfügung. Für die Pflege­kassen bietet sich die Chance, speziell die Angehörigen­pflege attraktiver zu gestalten. Jegliche Mehrwerte für die Versicherten erhöhen einerseits die Zufriedenheit, andererseits erzeugen digitale Versichertenservices durch Prozessoptimierung und -automatisierung auch Einsparpotenziale für die Pflegekassen. Die Unterstützungsleistungen sind vor allem im Pflegebedürftigen- und Angehörigenkontakt zu entwickeln, weil hier schlichtweg das entsprechende Fachwissen fehlt – zum Beispiel im Kontext der zustehenden Leistungen. So nehmen 70 Prozent aller Leistungs­berechtigten gar keine Entlastungsleistungen in Anspruch.

Fakt ist zudem: Je länger Pflegebedürf­tige durch Angehörige in einer häuslichen Ver­sorgungsform betreut werden, umso niedriger sind die Ausgaben der Pflegekasse. Dazu kommt, dass die Situation für die Pflege­bedürftigen aufgrund der persönlichen Pflege durch Angehörige und das häusliche Umfeld angenehmer gestaltet wird. Neben dem persönlichen Kontakt zur Pflege­kasse, der für viele Pflegebedürftige und Angehörige speziell in der Anfangsphase einer Pflege­bedürftigkeit unverzichtbar ist, können digitale Angebote gemacht werden, um die Pflege zu vereinfachen. Die Themen lassen sich hierbei unter den Begriffen Transparenz und Unterstützung treffend zusammenfassen.

Handlungsfelder im Bereich ePflege identifiziert

Gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden hat BITMARCK einige Handlungsfelder unter dem Titel „ePflege“ herausgearbeitet, in denen Lösungen zur adäquaten und zielgerichteten Unterstützung geplant werden. Hier einige Beispiele:

  • Antragswesen
  • Vorgangstracking
  • Anspruchsübersicht
  • Suchportale
  • Pflegehilfsmittel-Abonnements

Dabei spielt die Verfahrensoptimierung eine zentrale Rolle, um Einsparpotenziale durch Vernetzung und alternative Zustellungs­methoden (zum Beispiel über digitale Mitteilungen) zu heben.

Im Bereich des Antragswesens wird BITMARCK im kommenden Jahr im Backend des GKV-Standards BITMARCK_21c|ng Schnittstellen ausliefern, die es ermöglichen, Erst- und Höherstufungsanträge zur Pflegebedürftigkeit sowie Anträge zur Kurzzeit- und Verhinderungspflege digital anzunehmen und einzuspielen. Dabei werden die Schnittstellen ­so gestaltet, dass Pflegekassen eigene Frontend-Lösungen wie eine Website, eine Kassenservice-App oder auch einen Chat-Bot integrieren können. Der individuelle Markenauftritt der einzelnen Pflegekasse kann dabei durch unterschiedlich gestaltete Antrags­formulare beibehalten werden. Letztlich wird auch nur ein Teil der Antragsattribute zur automatisierten Auslösung von Folgeschritten benötigt, während bereits heute der andere Teil außerhalb von BITMARCK_21c|ng gespeichert wird.

Das Vorgangstracking ermöglicht es, die Antragstellenden durch jede Phase eines Antrags zu begleiten und zielgerichtet zu informieren, vom Antragseingang bis zur Erstellung des Bescheids.

Eine Anspruchsübersicht mit Absprung­punkten zum Antragswesen schafft Transparenz über alle zur Verfügung stehenden Leistungen und Budgets. Diese können zudem unmittelbar in Anspruch genommen werden.

Daneben existieren auch Themenfelder, die nicht zur Kernkompetenz von BITMARCK gehören – beispielsweise das Suchportal für den richtigen Leistungserbringer mit erweiterten und der Praxis entnommenen Suchmöglich­keiten wie Sprachkenntnissen und Weltanschauung. Aber auch zur Realisierung einer Lösung für Abonnements von Verbrauchshilfsmitteln benötigt BITMARCK starke Partner, mit denen die Visionen gemeinsam umgesetzt werden können.

Wie am Beispiel ePflege deutlich wird, sind Versorgungsverbesserung und Kosten­optimierung nicht zwangsläufig konträre Ziele. Wir werden Sie in der einsnull weiterhin über unsere Ideen und Aktivitäten zur Optimierung der Pflege auf dem Laufenden halten.  

4,1 Mio. Pflegebedürftige in Deutschland

Pflegesituationen

  • 80,2 % werden zu Hause versorgt (3,3 Mio.)
  • 63,2 % davon ausschließlich durch Angehörige (2,1 Mio.)